Marketing kann keine Planungssicherheit herstellen. Kein Budget und keine Kampagne können garantieren, dass ein Markt stabil bleibt oder Kunden ihre Investitionen fortsetzen.
Marketing kann aber Unsicherheit verringern, die im Unternehmen selbst entsteht.
Zum Beispiel, wenn niemand genau weiß, aus welchen Märkten künftig profitable Anfragen kommen. Oder wenn Vertrieb und Geschäftsführung unterschiedliche Vorstellungen davon haben, welche Kunden eigentlich gewonnen werden sollen. Auch ein Unternehmen, das viel kommuniziert, aber nicht erkennen kann, welche Botschaften bei kaufbereiten Kunden ankommen, arbeitet mit einer unnötig großen Unbekannten.
In solchen Situationen ist Marketing kein Sichtbarkeitsprojekt. Es ist ein Instrument, um bessere Informationen über den Markt zu gewinnen und kommerzielle Entscheidungen abzusichern.
Das beginnt mit einer unangenehmen Frage. Welche Unsicherheit soll das Marketing überhaupt verringern?
Soll es neue Nachfrage in einem schwachen Segment sichtbar machen?
Soll es den Vertrieb bei erklärungsbedürftigen Angeboten unterstützen?
Soll es zeigen, ob eine neue Positionierung im Markt verstanden wird?
Soll es verhindern, dass das Unternehmen nur von wenigen Bestandskunden abhängig bleibt?
Wer diese Frage nicht beantworten kann, wird Marketing fast zwangsläufig über Aktivitäten steuern. Dann werden Veröffentlichungen gezählt, Kampagnen gestartet und Reichweiten verglichen. Das erzeugt Bewegung. Es beantwortet aber nicht, ob das Unternehmen seine wirtschaftliche Position besser einschätzen kann.
Gerade in einer unsicheren Marktphase braucht Marketing deshalb eine engere Verbindung zu Vertrieb und Geschäftsführung. Nicht als zusätzliche Abstimmungsrunde, sondern als gemeinsame Betrachtung der Frage, wo das Geschäft künftig herkommen soll und wie belastbar diese Annahme ist.
Das verändert auch die Argumentation für das Budget.
Ein Marketingbudget lässt sich schwer verteidigen, wenn es mit allgemeiner Präsenz begründet wird. Es lässt sich eher vertreten, wenn klar ist, welche offene Geschäftsfrage damit bearbeitet wird. Wo entstehen qualifizierte Gespräche? Welche Kundengruppe reagiert tatsächlich? Welche Märkte verlieren an Bedeutung? Welche Einwände verhindern Abschlüsse? Wie abhängig ist der Umsatz von einzelnen Beziehungen?
Das sind keine Marketingfragen im engen Sinn. Es sind Fragen der Unternehmensführung, die im Marketing sichtbar werden.
Die Konsequenz daraus ist nicht, in unsicheren Zeiten einfach mehr Marketing zu machen. Das wäre die nächste Form des Aktionismus. Die Konsequenz ist, genauer zu entscheiden, welche Aktivitäten eine wirtschaftlich relevante Information liefern oder den Weg zum Auftrag verkürzen.
Dafür muss Marketing auch mit unbequemen Ergebnissen umgehen können. Vielleicht zeigt eine Kampagne, dass ein Angebot im gewünschten Markt nicht verstanden wird. Vielleicht stellt sich heraus, dass die vermeintliche Zielgruppe kaum kaufbereit ist. Vielleicht liefert der Vertrieb die entscheidenden Informationen, die bisher im Marketing niemand hören wollte.
Ein Marketing, das nur positive Signale produziert, hilft der Geschäftsführung nicht weiter. Es muss auch sichtbar machen, wo Annahmen nicht mehr stimmen.