Gesellschaftlich denken wir häufig anders. Alternativen erscheinen zunehmend als Luxus, als Doppelstruktur, als unnötiger Kostenfaktor. Sobald ein effizienterer Weg existiert, wird der bisherige Weg infrage gestellt.
Vielleicht sind analoge Angebote keine Relikte einer vergangenen Zeit. Vielleicht erfüllen sie dieselbe Funktion wie Backups in Unternehmen . Ihre Existenz hält Handlungsspielräume offen, auch wenn sie täglich kaum jemand braucht. Den Verlust von Alternativen automatisch mit Fortschritt gleichzusetzen, ist jedenfalls eine Entscheidung. Nur wird sie selten als solche getroffen.
Dabei denke ich nicht an die ältere Generation, die lieber zum Bankschalter geht, oder an die Oma, die ihr Kleingeld aufs Band der Kassiererin kippt. Das wäre zu einfach. Es geht um alle Generationen.
Denn ausgerechnet die Gesellschaften, die am stärksten digitalisiert sind, fangen gerade an, Grenzen zu ziehen. Stichwort Social-Media-Verbote für Minderjährige, Smartphone-freie Schulen, Altersgrenzen für Plattformen. Das ist kein Zufall und keine Nostalgie. Das ist die Erkenntnis, dass digitale Teilhabe und digitaler Zwang zwei Seiten derselben Entwicklung sind. Und dass selbst die Generation, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist, inzwischen fragt, ob sie wirklich die Wahl hatte.